Beim Stricken gibt dutzende von Möglichkeiten, Maschen anzuschlagen. Da wären der einfache oder italienische Anschlag und der aufgestrickte Anschlag. Die meisten Stricker:Innen lernen und praktizieren jedoch den Kreuzanschlag mit Longtail, - die häufigste Methode, um ein Strickprojekt zu beginnen.
Der altdeutsche Kreuzanschlag, der manchmal auch als altnorwegischer Anschlag bezeichnet wird, basiert auf der Longtail-Methode, ist aber besonders, da er die Maschen noch fester verdreht und damit mehr Elastizität in die Strickkante bringt. Das macht sich besonders gut, wenn Ihr euren Socken, Handschuhen oder Mützen einen sanften, zusätzlichen Stretch verleihen möchtet oder andererseits mit Garnen strickt, die über wenig natürliche Dehnbarkeit verfügen, wie z. B. Baumwolle oder Leinen.
Außerdem ist diese altdeutsche Anschlagmethode eine hübsche Art, ein neues Projekt zu beginnen, weil dabei eure Stricknadel auf besonders anmutige Weise um das Garn tanzt.
Wenn Ihr jetzt neugierig geworden seid und mehr über diesen cleveren und raffinierten Maschenanschlag erfahren möchtet, haben wir an dieser Stelle für Euch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung vorbereitet:
1. Nadel- und Garnposition
Ein „verdrehter“ Anschlag bedeutet im Prinzip, dass eure Maschen bereits in sich gedreht werden, während sie auf die Nadel kommen. Beim normalen Kreuzanschlag geht man üblicherweise unter das über den Daumen gewickelte Garn und greift den Faden vom Zeigefingergarn mit der Nadelspitze.
Im Vergleich dazu verleiht der altdeutsche, verdrehte Kreuzanschlag euren Maschen eine doppelte Drehung. Er basiert allerdings auf dem normalen, Longtail-Kreuzanschlag, das heisst, Ihr startet, indem Ihr das Garn mit der linken Hand in der sogenannten “Slingshot-Position” haltet, wie bei einer Gummischleuder. Natürlich könnt Ihr vorher immer auch einen Slipknot als erste Masche machen; es ist jedoch nicht unbedingt notwendig, um der ersten Reihe Stabilität zu verleihen.
2. Tanz mit der Nadel
Für die erste Schlaufe schiebt Ihr dann die Nadel in Richtung des Fadens, der zwischen Daumen und Zeigefinger liegt. Dabei müsst Ihr sie unter beiden Daumenfäden hindurchschieben. Anders als beim normalen Kreuzanschlag kommt die Nadel nun nicht in der Mitte der Daumenschleife heraus, sondern auf der anderen Seite der Daumenschlaufe. Erst jetzt geht Ihr mit der Nadel durch eure Daumenschlaufe, allerdings von oben nach unten, wie auf dem Bild zu sehen ist.
Als wolltet Ihr eine Acht in der Luft schreiben, führt Ihr danach die Stricknadel zum Faden, der um den Zeigefinger liegt. Dabei ist es wichtig, den Daumen leicht nach innen zu biegen. Das macht es einerseits leichter, den Faden zu holen und andererseits wird dadurch bereits die Schlaufe vorbereitet, die sich später von unten an die Nadel schmiegt.
Der wesentliche Unterschied zum üblichen Longtail-Anschlag besteht also darin, dass man bei diesem Anschlag die Nadel zuerst unter beiden Daumenfäden herführt und dann von oben nach unten in die entstandene Daumenschlaufe einpiekst, statt umgekehrt . Um an den Faden am Zeigefinger zu gelangen, müsst Ihr danach die Schlaufe verdrehen und dazu den Daumen leicht nach innen knicken.
3. Garn holen und durchziehen
Ihr kommt mit der von oben in die Daumenschlaufe eingestochenen Nadel vor dem Zeigefinger heraus, greift mit der Spitze nach dem Faden und zieht ihn daraufhin von oben durch die Daumenschlaufe, - nicht von unten. Das leichte Beugen des Daumens unterstützt Euch bei dieser Bewegung. Die so vom Zeigefinger geholte Schlaufe liegt nun auf der Nadel. Dagegen wird der Daumenfaden fallengelassen und zum Knötchen unter der Nadel zusammengezogen.
4. Das Ergebnis
Nach bereits wenigen Loops wird der Hauptunterschied zwischen dem normalen Kreuzanschlag und dem verdrehten, altdeutschen Anschlag sichtbar. Letzterer bildet nämlich auf beiden Seiten der Nadel kleine Noppen. Wenn Ihr nun auf die rechte Seite eures Strickstückes schaut, sitzen eure angeschlagenen Maschen sauber auf der Kante, was das Geheimnis hinter der zusätzlichen Elastizität dieses Maschanschlages ist.
Allerdings ist es auch der Grund, warum diese Art, ein Strickprojekt zu beginnen, am Ende mehr Garn verbraucht als jede andere Anschlagmethode. Achtet daher bitte darauf, dass am langen Ende auch genug Garn vorhanden ist, bevor Ihr loslegt.
Hat Euch unser kleines Tutorial über diese nette Methode gefallen, ein neues Projekt auf eure KnitPro Stricknadeln zu bringen? Welcher ist euer bevorzugter Maschenanschlag?